Im Mittelpunkt der Übernahme steht Divesiran, ein Wirkstoff zur Behandlung von Polycythaemia vera. Bei dieser chronischen Erkrankung produziert das Knochenmark zu viele rote Blutkörperchen. Dadurch steigt das Risiko für Thrombosen und schwerwiegende Herz-Kreislauf-Komplikationen. Bislang müssen viele Betroffene regelmäßig therapeutische Aderlässe durchführen lassen, um die Zahl der roten Blutkörperchen zu kontrollieren. Divesiran setzt auf die sogenannte siRNA-Technologie. Dabei wird gezielt die Aktivität eines Gens unterdrückt, das an der Regulation des Eisenstoffwechsels beteiligt ist. Ziel ist es, die übermäßige Bildung roter Blutkörperchen zu begrenzen und den Bedarf an regelmäßigen Aderlässen zu reduzieren. In einer Phase II Studie erreichte der Wirkstoff eine Ansprechrate von 88 Prozent gegenüber 19 Prozent unter Placebo. Die Behandlung könnte künftig alle drei Monate durch eine Injektion erfolgen. Ob sich die bisherigen Ergebnisse in größeren Patientengruppen bestätigen, soll eine zulassungsrelevante Phase III Studie zeigen. Mit dem Zukauf setzt Merck seine Expansion im Geschäft mit spezialisierten Arzneimitteln fort. Bereits 2025 hatte der Konzern das US-Unternehmen SpringWorks Therapeutics übernommen und damit sein Portfolio für seltene Tumorerkrankungen erweitert. Silence Therapeutics bringt neben Divesiran weitere Entwicklungsprogramme und eine eigene Plattform zur gezielten Genregulation ein. Das britische Unternehmen beschäftigt rund 80 Mitarbeiter in Großbritannien, den USA und Deutschland. Der Abschluss der kreditfinanzierten Transaktion ist für das erste Quartal 2027 vorgesehen. Voraussetzung sind unter anderem die Zustimmung der Aktionäre sowie die erforderlichen behördlichen Genehmigungen. Für Merck eröffnet die Übernahme die Möglichkeit, seine Arzneimittelentwicklung um RNA-basierte Therapieansätze zu ergänzen und das Geschäft mit seltenen Erkrankungen weiter auszubauen.
News der "Merck KGaA" vom 19.10.2026