Im Zentrum der Studie stehen sogenannte Mikrogliazellen. Sie gelten als die Immunabwehr des Gehirns und werden seit Jahren als möglicher Schlüssel für die Entstehung neurodegenerativer Erkrankungen untersucht. Nun gelang es den Forschenden, erstmals diese Zellen im menschlichen Alzheimer-Gehirn mit bislang unerreichter Präzision zu analysieren. Möglich wurde dies durch eine neu entwickelte Mikroskopie Technologie, die speziell für die Untersuchung menschlichen Hirngewebes angepasst wurde. Mit ihr konnten die Wissenschaftler einzelne Zellen nicht nur anhand ihrer Proteine identifizieren, sondern auch ihre räumliche Anordnung und ihre Beziehung zu umliegenden Strukturen sichtbar machen. Das Ergebnis überraschte. Die Forschenden entdeckten eine bislang unbekannte Zellpopulation, die eng mit den für Alzheimer typischen Eiweißablagerungen verknüpft ist und deutlich häufiger in erkranktem Hirngewebe vorkommt. Gleichzeitig zeigte sich, dass Mikrogliazellen unterschiedliche, spezialisierte Zustände annehmen und offenbar weit komplexer agieren als bisher angenommen. Die Erkenntnisse liefern neue Einblicke in die biologischen Prozesse hinter einer Krankheit, von der weltweit Millionen Menschen betroffen sind. Langfristig könnten sie dazu beitragen, neue Angriffspunkte für Therapien zu identifizieren und Behandlungen gezielter zu entwickeln. Für die Leipziger Forschungsgruppe ist die Arbeit zugleich der Auftakt für weitere Projekte. Die neu entwickelte Methode soll künftig auch bei anderen neurologischen Erkrankungen eingesetzt werden und neue Perspektiven auf bislang verborgene Mechanismen des menschlichen Gehirns eröffnen.
Pressemitteilung des "Universitätsklinikum Leipzig" vom 20.05.2026