Grundlage waren Forschungen von Hegemann und Nagel an einzelligen Algen. Sie untersuchten lichtempfindliche Proteine und zeigten, dass Channelrhodopsine als durch Licht steuerbare Ionenkanäle funktionieren. Deisseroth übertrug das Prinzip auf Nervenzellen und entwickelte daraus ein Werkzeug, mit dem sich neuronale Schaltkreise mit hoher räumlicher und zeitlicher Genauigkeit untersuchen lassen. Die Optogenetik hat sich inzwischen zu einer wichtigen Methode der Neurowissenschaften entwickelt. Forschende können damit nicht nur beobachten, welche Hirnregionen bei bestimmten Vorgängen aktiv sind, sondern experimentell untersuchen, welchen Einfluss einzelne Zelltypen auf Bewegung, Verhalten, Erinnerungen oder Emotionen haben.
Auch therapeutische Anwendungen werden untersucht. Dazu gehören Ansätze bei neurologischen Erkrankungen sowie Verfahren, die bei bestimmten Formen von Blindheit lichtempfindliche Proteine nutzen sollen. Der Nobelpreis zeigt damit auch, wie aus Grundlagenforschung an vergleichsweise einfachen biologischen Systemen neue Forschungswerkzeuge und langfristig mögliche Therapieansätze entstehen können.
Quelle: Pressemitteilung The Nobel Prize
Illustration: The Nobel Prize in Physiology or Medicine 2026 © The Nobel Committee for Physiology or Medicine. Ill. Mattias Karlén