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Thüringer Forschung zeigt textilen Sensor gegen Blutverlust

Bei schweren Verletzungen entscheiden oft Minuten über Leben und Tod. Ein neues Sensorsystem könnte Einsatzkräfte künftig deutlich schneller über kritische Blutverluste informieren. Das Thüringische Institut für Textil und Kunststoff Forschung Greiz hat die Technologie auf der Sicherheitsfachmesse Enforce Tac 2026 in Nürnberg erstmals einem Fachpublikum vorgestellt.
23.02.2026

Der entwickelte Blutsensor basiert auf leitfähigen Fäden, die direkt in textile Strukturen eingewebt werden. Chemisch modifizierte Materialien reagieren auf verschiedene Körperflüssigkeiten und erkennen zuverlässig, ob Blut austritt. Grundlage ist ein Multipotentialsensor, der ähnlich wie eine elektronische Zunge, unterschiedliche Flüssigkeiten anhand ihrer chemischen Eigenschaften unterscheiden kann. Die Sensordaten werden kontinuierlich erfasst und drahtlos an ein Kommunikationssystem übertragen. Wird Blutverlust erkannt, sendet das System automatisch eine Warnmeldung. Rettungskräfte oder Einsatzleitungen können so auch aus größerer Entfernung einschätzen, wie schwer eine Person verletzt ist und welche Behandlung Priorität hat. Die Technologie entstand in Zusammenarbeit mit dem Luftfahrt und Wehrtechnikunternehmen Autoflug sowie militärischen Forschungseinrichtungen und einem Bundeswehrkrankenhaus. Entwickelt wurde sie für Extremsituationen, etwa bei Katastrophen, militärischen Einsätzen oder schweren Unfällen. Langfristig sehen die Forschenden auch Anwendungen im zivilen Gesundheitswesen, etwa in der Notfallmedizin oder bei der Überwachung von Patienten. Damit zeigt sich, dass intelligente Textilien zunehmend zu einem wichtigen Feld der Medizintechnologie werden.

Artikel des "TITV Greiz" vom 23.02.2026